Skip to content

Barcelonablog (1): Don Limpio

20/09/2011

20. September 2011

Ich kenne mich hier nicht mehr aus. Die Zeit, als ich mich hier auskannte, war die, als Don Limpio gerade erst Mister Proper entmachtet hatte. Auf dem spanischen Etikett des Scheuermittels stand damals „Don Limpio, antes Mister Proper“. Don Limpio, vormals Mister Proper. Leider leben wir weder zu Hause noch hier in einer Welt, in der ein Produkt dauerhaft so heißen könnte. Dabei wäre es doch bezaubernd, wenn der glatzköpfige Bodybuilder mit dem Goldohrring und den weißen Augenbrauen, der so unverwüstlich von der Plastikflasche strahlt, sich bei jeder Begegnung wieder mit diesen Worten vorstellen würde.

Aber Mister Proper ist in Spanien längst passé. Don Limpio rules, als hätte es keine Vorgeschichte gegeben. Und als ich vorhin ein wenig durch Barcelona ging, die Stadt, von der ich jahrelang behauptet hätte, ich würde sie besser kennen als jede andere Stadt, da merkte ich, das ist auch lange vorbei. Ich verlaufe mich hier nicht, ich muss vielleicht kurz stehenbleiben und mich umschauen, wo ich früher blind Bescheid gewusst hätte. Doch das Entscheidende ist: Ich habe das Gefühl, ich gehöre dieser Stadt nicht mehr. Sie hat sowieso nie mir gehört, aber ich ihr sehr wohl. Und nun will sie mich vielleicht nicht mehr oder kann nicht mehr so viel mit mir anfangen, was weiß ich – das sind die gewiss zu schüchternen ersten Eindrücke nach all der Zeit. Über vier Jahre, so lange bin ich noch nie nicht hier gewesen, seit 1995, seit Mister Proper sich hat umbenennen lassen.

Ich ziehe mich fürs erste zurück. Das kleine Stipendium, das den vier Jahren ihr Ende setzt, geht mit einem Appartement auf dem Campus der weit abseits der Stadt gelegenen Universitat Autònoma einher. Dort hat man, mit etwas gutem Willen, von der Terrasse vor dem Haus diesen Blick:

Es scheint sich dennoch um einen Ort der Ausschweifung zu handeln. Hier ein Auszug aus dem Sortiment des Snackautomaten im Erdgeschoss (Adleraugen werden links unten noch das Produkt „Mini Nackis“ erkennen).

Solch zügelloses Provinzleben ist natürlich meine Sache nicht. Also morgen doch Barcelona. Gleich nach dem Frühstück, unverzagt. In die große Stadt – und ihr wieder gehören. Wer kann schon sagen, vor wie vielen Jahren in Deutschland aus Meister Proper „Mr. Proper“ wurde? Und übrigens, im amerikanischen Original heißt der Muskelstrahlemann so langweilig, wie es nur geht, „Mr. Clean“.

Advertisements
Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: