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Barcelonablog (12): Kusszonen

01/10/2011

1. Oktober 2011

Zu den interessantesten Erfahrungen im Ausland zählt ja der unterschiedliche Verlauf der Schamgrenzen. Vor ein paar Tagen sah ich im Medienkaufhaus Fnac einen Mann in einem Buch blättern. Er trug Anzug und Krawatte, war offenbar auf dem Rückweg vom Büro oder aus der Kanzlei hier vorbeigekommen. Das Buch, in dem er blätterte und das er von einem der Aufsteller mit wichtigen Neuerscheinungen genommen hatte, versprach Unterricht in 50 Methoden, eine Frau oral zu befriedigen und ihr damit eine „Freude wie noch nie“ zu machen.

Ob solche Titel bei Dussmann in Berlin im Sortiment sind, weiß ich nicht, aber dass dort jemand sie sich seelenruhig und vor aller Augen durchsehen würde, kann ich mir nicht vorstellen. Hingegen wird in Deutschland, wie ich vor meiner Abreise feststellte, das Produkt Hakle Feucht neuerdings mit dem Slogan „Machen auch Sie Ihren Po zur Kusszone“ beworben. Dazu ein Foto, auf dem eine junge Frau die Lippen schürzt, während sie einem jungen Mann den weißen Schlüpfer vom Hintern zieht. Dergleichen wiederum kommt mir in Spanien undenkbar vor.

Aber wer weiß. Kehren wir lieber auf sicheres Terrain zurück, auf die Straße der Tugend.

Es ändert sich ja so vieles, dauernd. Zum Beispiel verschwinden alte Barden, selbst wenn sie Ikonen des Widerstands gegen die Franco-Diktatur waren, spurlos aus den Plattenregalen. Mehrere Jahre lang habe ich versucht, das letzte Album von Paco Ibáñez zu erwerben, alles vergebens, selbst Mailorder an hiesige Adresse über des greisen Meisters eigene Website ist gescheitert. Nun hat eine liebe Freundin mir die kostbaren Klagelieder per eMule verschafft. Tausend Dank, es ging eben nicht anders.

Und in Barcelona wird mittlerweile sogar Fahrrad gefahren. Was vor ein paar Jahren noch ein Extremsport für Lebensmüde war, verwandelt sich in ein Massenphänomen. Dass die Stadt selbst sich aber erst auf halbem Weg zum Pedalparadies sieht, zeigt ein Blick auf die Ampel.

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