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Barcelonablog (13): Autoritäten

01/10/2011

Nochmal 1. Oktober 2011

Jaja, schon klar. Samstagabend, immer noch Sommer – jetzt zuzugeben, dass man in seinem Zimmerchen im Unidorf hockt, kommt einem Offenbarungseid gleich. Es ist bloß so: Ich war ja die letzten Tage dauernd aus. Und anders als voriges Wochenende (wir erinnern uns, da war die Mercè, da konnten sie sich nur wundern und hatten nicht viel zu melden), haben sich nun wieder die Touristen die Stadt untern Nagel gerissen. Sie sind ohne Zahl und unermüdlich, und heute Abend möchte ich nicht zu ihnen gehören. Ich weiß, wie doof und trügerisch die Überidentifikation des Reisenden mit seinem Lieblingsort sein kann, aber sie kann eben auch ein Spiel sein, das Spaß macht, mir zumindest. Darum warf ich mich, als ich heute Nachmittag ein bisschen in Barcelona unterwegs war, in die Pose, nur noch den Klang von Katalanisch und Spanisch schön zu finden und die vielen anderen Sprachen gerade nicht mehr hören zu wollen. Das Grunzen der Franzosen, das Quaken der Amerikaner, das Gebell der Deutschen, das Geschnatter der Italiener, das Zischen der Russen, das Fauchen der Holländer.

Und a propos Offenbarungseid, hier der zweite Grund, warum ich heute nicht mehr ausgehe: Ich kann kein Geld abheben. Der Magnetstreifen meiner EC-Karte sei hinüber, sagt mir ein Automat nach dem anderen. Wird es da einen Ausweg geben? Bleiben Sie dran!

Und im Unidorf ist ja auch immer was los. Vor ein paar Tagen blockierten Ziegen das Sträßchen zum Bahnhof. Und zwei Wachmänner mit Gummiknüppeln schärften jedem Fußgänger, der vorbei wollte, ein, sich in Gegenwart der unberechenbaren Tiere nur mit größter Vorsicht zu bewegen.

Heute kam es noch dicker. Alle Mülltonnen wurden weggeräumt, die Parkplätze abgesperrt, auf dem Dach des Verwaltungsbaus bezog ein bewaffneter Späher seinen Posten. Und dann wimmelte es überall von Polizisten und von dicken schwarzen Audis. Mir verstellte ein Schutzmann den Weg und wies mir einen Umweg. Warum denn, fragte ich ihn, wer kommt denn heute? Da sagte er: „Autoritäten.“ Und fügte noch hinzu: „Wichtige Leute.“

Da war meine Neugier schon wieder befriedigt.

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