Skip to content

Dreimal Matthias Bleuel: Roman, Drehbuch, Film

26/04/2012

Verfilmt zu werden ist ja, was wir Autoren uns alle wünschen. Und so selten kommt es dazu. Wenn eine Produktionsfirma sich die Filmrechte an einem Buch sichert, freut man sich besser vorsichtig. Wird eh nichts draus, vielleicht hält die Firma die Option zwei Jahre lang, vielleicht werden ein paar Drehbuchfassungen geschrieben, aber verlässlich sitzt die Sache irgendwann im Sand.

Und wenn, gegen alle Wahrscheinlichkeit, doch ein Film gedreht wird, ist der Autor der Buchvorlage am Ende seiner Wünsche stinksauer. Man hat ihn nicht verstanden etc.

Ich habe also Glück gehabt, denn ich mag „Ausgerechnet Sibirien“ sehr. Aus vielen Gründen. Zum Beispiel weil er so großartig besetzt ist, gerade auch in den russischen und schorischen Rollen. Oder weil er nicht nur eine schöne, unverhoffte Liebesgeschichte  erzählt, sondern sich dabei auch eine beschwingende Seltsamkeit bewahrt.

Und, ganz wichtig: weil er sich weit genug von meinem Roman Der Neuling entfernt. Vom Blauen Engel bis Blade Runner fallen mir zig Literaturverfilmungen ein, die gerade deshalb so gut sind, weil sie nicht an der Vorlage kleben. Dagegen erinnere ich mich an keine einzige Verfilmung, die unbedingt werktreu sein will und mir trotzdem gefallen hat. Das Gleiche gilt auch umgekehrt, also für allzu „filmisch“ geschriebene Romane. Grauenhaft. Film und Buch sollen ihre je eigenen Stärken nutzen, sie sollen nicht versuchen, einander zu imitieren.

Das haben wir uns im Drehbuch zu „Ausgerechnet Sibirien“ zu beherzigen bemüht. Wobei so ein Drehbuch ja nur eine Zwischenstation ist. Beziehungsweise etliche Zwischenstationen. Zu den besonderen Reizen dieser Arbeit zählt, dass man sie immer wieder von neuem macht. Eine Fassung nach der anderen. Und die letzte nimmt sich der Regisseur und stellt damit an, was er will. Oder was sich am Set, in der Arbeit mit den Schauspielern und den Drehorten, und im Schneideraum ergibt.

Auch „Ausgerechnet Sibirien“ weicht als fertiger Film deutlich von all unseren Drehbuchfassungen ab. So wie schon all unsere Drehbuchfassungen deutlich von meinem Roman abwichen. Aber wie gesagt: Ich finde es gut und richtig, dass es so ist. Die Geschichte soll sich ja verwandeln, auf ihrem Weg vom Buch zum Film. Dass sie dem Autor im Zug dieser Verwandlung irgendwann nicht mehr gefällt, ist ein notwendiges Risiko. Umso mehr freue ich mich über „Ausgerechnet Sibirien“.

Und kann mir gerührt anschauen, was aus „meinen“ Figuren geworden ist, da oben auf der Leinwand. Das ist ein schönes Gefühl. Natürlich ist Matthias Bleuel im Film anders als Matthias Bleuel im Drehbuch, und der Drehbuch-Bleuel in seinen offiziell fünf Versionen unterschied sich schon ziemlich vom Roman-Bleuel. Das Gleiche gilt für die anderen Hauptfiguren, also für Artjom – den heimlichen Helden im Roman wie im Film – oder für die schorische Sängerin, die auf ihrem Weg noch den Künstlernamen gewechselt hat und von Ak Torgu zur eingängigeren Sajana wurde. Und doch haben sie alle genug mit ihren schriftlichen Vorläufern gemeinsam, dass es für mich eine Wiederbegegnung mit ihnen ist. In einem anderen Medium eben. Eine sehr anregende Wiederbegegnung.

Wenn nun noch der Kinobesuch neugierig macht auf die Romanvorlage, dann umso besser.

Advertisements

From → Film

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: