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Transandino

17/03/2013

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Sogar in den Tunneln der Transandino-Strecke wird dem Gauchito Gil gehuldigt. Ich bin also nicht der erste Wanderer, der auf die Idee kommt, hier Lokomotive zu spielen. Bei weitem nicht. Der Transandino war eine legendäre Eisenbahnlinie, die Trasse führt von der argentinischen Weinhauptstadt Mendoza hinauf in die Anden, am Naturwunder Puente del Inca und am Aconcagua vorbei, dem höchsten Gipfel der Südhalbkugel, erreicht ihren eigenen Scheitelpunkt bei knapp 3200 Höhenmetern kurz hinter der Staatsgrenze und endet in der chilenischen Stadt Los Andes. 1984 wurde der Transandino stillgelegt. Seither gibt es unentwegt Pläne, ihn wieder in Betrieb zu nehmen, aber die Behörden verzetteln sich in Absichtserklärungen.

Also nimmt man den Bus, wenn man von Mendoza aus in die Anden will, er ist sehr komfortabel wie fast alle Reisebusse in Argentinien, und zur Zerstreuung der Fahrgäste hängen Fernsehschirme von der Fahrzeugdecke. Ein Hannibal-Lecter-Film wird gezeigt. Die Kinder an Bord müssen das verkraften und sind es offenbar gewohnt. Im Nachtbus aus Rosario lief ein Film, in dem ein Serienmörder seine minderjährigen Opfer mit der Axt zerstückelte.

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Und ich laufe nun auf der Transandino-Strecke. Nur eine gute Stunde lang, zurück vom Eingang des Naturparks Aconcagua in den Ort Puente del Inca. Zu Füßen des höchsten Andengipfels kann man sich als Tagesausflügler sehr popelig vorkommen, aber wenn man in den Anweisungen an die Trekkingtouristen liest, dass sie während ihrer Tage am Berg ihre „fäkale Materie“ in Plastikbeuteln zu sammeln und am Schluss bei der Parkleitung abzugeben haben, dann geht es wieder.

Ich springe von Schwelle zu Schwelle, vor erhabener Kulisse, ich rausche durch die Wellblechtunnel, die die Schienen vor Steinschlag schützen sollen, ich verneige mich kurz vor dem Schrein des Gauchitos, ich schnaufe und pfeife wie eine alte Schmalspurlok. So weit weg von zu Hause wie jetzt war ich noch nie.

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