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„Das Spiel …“: Vier Gründe, warum ich dieses Buch geschrieben habe

02/05/2014

Cover Spiel

Ein dialektischer Grund

Deutsche Flaggen sind mir immer suspekt gewesen, beflaggte Deutsche erst recht. Zugleich ging es mir seit 2006 mehr und mehr auf die Nerven, wie linksdogmatische Kommentator/innen den Schwarz-Rot-Gold-Fimmel zu Fußball-WM und –EM zum Zeichen eines neuen Nationalwahns erklärten, ohne genauer hinzuschauen oder ihr analytisches Instrumentarium zu überprüfen. Darum reizte mich der Versuch, diese Fußballflaggen von links aus zu betrachten und trotzdem ein positives Potential in ihnen zu suchen – auch gegen meine eigenen Abwehrreflexe.

Ein Fußballgrund

Ich liebe Fußball und wollte gerne ein Fußballbuch schreiben. Für verzweigte Anekdoten aus einem halben Jahrhundert Bundesliga und dergleichen fühlte ich mich nicht kompetent und diskursfit genug. Und für saftige Fusi-Fiktion kam ich mir dann doch zu wenig absorbiert vom Lieblingssport vor. Ich brauchte einen speziellen Zugang, einen eigenen Weg zum großen Thema Fußball. Da bot sich der Weg über die Flaggenrituale an.

Ein kulturwissenschaftlicher Grund

Zwar tauschte ich Anfang des 21. Jahrhunderts einen aussichtsreichen akademischen Werdegang gegen eine labile Schriftstellerexistenz ein. Das komparatistische und soziologische und ethnologische Interesse an der Welt ist mir aber erhalten geblieben und hat sich mit den vielen Reise- und Kulturaustausch-erfahrungen der letzten zehn Jahre noch verstärkt. Über Fußball und Flaggen zu schreiben ist für mich eine Art, mich zum einen mit der deutschen Gesellschaft von heute auseinanderzusetzen, zum anderen mit grenzüberschreitenden Erscheinungen wie Gemeinschaftsstolz, Nationalgefühlen oder Fußballfeiern.

Ein Karrieregrund

Mein erstes Sachbuch war die „Gebrauchsanweisung für Katalonien“, und ich wollte es dabei nicht bewenden lassen. Nun freue ich mich über meine zweite Buchveröffentlichung im Segment „Non-fiction“ und fange an, über weitere mögliche Themen nachzudenken. Als nächstes soll aber wieder ein Roman kommen.

***

Presse zu „Das Spiel …“:

Girlanden, Gardinen und Gedöns – dieser Tage alles nur noch in Schwarz-Rot-Gold. Die Außenspiegel an den Autos bekommen Schlüpfer übergezogen. Kurz: Es ist wieder Fußball. Ob Welt- oder Europameisterschaft; im Zweijahrestakt stellt sich die Frage: Wie ist diese Form des Zurschaustellens nationaler Symbole zu bewerten? Alles bloß lockerer Party-Patriotismus? Muss man den als Linker nicht (immer noch) bekämpfen?
Der Autor, Schriftsteller und Drehbuchautor Michael Ebmeyer stellt sich diese Fragen in seinem kleinen Essaybändchen „Das Spiel mit Schwarz-Rot-Gold. Über Fußball und Flaggenfieber“ auf sehr kluge Art und Weise und mit viel Witz.
(Jens Uthoff in der TAZ)

Was ist über den leider auch diesmal wieder anstehenden Schwarz-Rot-Gold-Kult zu sagen, wenn sich dezidierte Nazis von der so beworbenen DFB-Elf abwenden, weil Spieler darunter sind, die ein Völkischer nicht als Deutsche anerkennt? Was ist gegen eine vor dem Fenster baumelnde Flagge zu sagen, wenn ein arabischer oder türkischer Einwanderer sie dort hingehängt hat – und womöglich noch einen Halbmond draufgemalt hat? Wirkt im antinationalen Affekt nicht ein, wie Michael Ebmeyer schreibt, »routinierter Alarmismus«? Und gibt es nicht, wenn über Fußball und Nationalismus geredet wird, einen bildungsbürgerlichen, elitären und die Proleten verachtenden Dünkel?
Ebmeyer nähert sich der Antwort, wie es sich für einen guten Essay gehört, im Zickzack-Kurs: Er denkt über Nationen nach, über Stolz, über seine Herkunft aus Bielefeld und über die mitunter sehr spezielle Bedeutung des Fußballs.
(Martin Krauss in der JUNGLE WORLD)

Es ist gut, dass der Berliner Schriftsteller und Übersetzer Michael Ebmeyer, ein Linker und Fußballfan zudem, diesen Ball wieder aufnimmt und weit ins Mittelfeld hineinschießt: „Die großen Gemeinschaftsgefühle, die zur WM oder EM aufgerufen werden, sind nicht plötzlich unverdächtig. Aber sie sind eben auch nicht so einheitlich oder gleichförmig, wie es die schwarz-rot-goldene Maskerade befürchten lässt. Und mich interessiert, ob, wo und wie diese Gefühle eine emanzipatorische Richtung nehmen können.“ Heißt es ein wenig leitmotivisch am Anfang.
Solche Fragen beginnen bei einem selbst und enden bei uns allen. Auch Ebmeyer geht zurück in seine Kindheit im, wie er schreibt, identitätslosen Bielefeld; versucht den Begriffen Stolz, Patriotismus, linker und rechter, offener und emanzipatorischer Fußball nachzugehen; in guter Essaytradition mischt er Persönliches, Angelesenes, Zugetragenes und denkt das dann neu. Bemerkenswert ist, wie stark er die emanzipatorischen Entwicklungen im Fußball selbst – Frauenfußball, das Bosman-Urteil von 1995, das Coming-out von Thomas Hitzlsperger – ins Zentrum stellt, und dennoch nicht unterschlägt, zu welch großer Kapitalismusmaschine der Sport geworden ist.
(Jana Hensel im FREITAG)

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From → Bücher

One Comment
  1. helge permalink

    » Eine Blondine geht in ein Geschäft welches u.a. Nationalfahnen führt. „Ich würde gerne eine lila Deutschlandfahne kaufen!“ „Tut mir leid,..“, entgegnet der Verkäufer. „.. die Deutschlandfahne gibt es nur in schwarz – rot – gold!“ Die Blondine überlegt kurz und sagt dann:“OK, dann nehm ich sie in rot!“ «

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